Künstlerkolonien

Barbizon, Frankreich

Die Schule von Barbizon, eine Künstlerkolonie am Wald von Fontainebleau, entstand um 1830. Missverständlich ist die Bezeichnung „Malerschule vom Barbizon“ insofern, als eine Schule im Sinne eines Lehrer-Schüler-Verhältnisses nie existierte. Eine geschlossene Gruppe war es ebenfalls nicht, sondern eher ein lockerer Freundschafts- und Kollegenkreis, von denen sich einige in Barbizon ansiedelten, andere in der Pension Auberge Ganne sich zeitweise einquartierten. Den Namen gab ihr der englische Schriftsteller und Kunsthändler David C. Thomson mit dem Buch „The Barbizon School of Painters“, das 1890 in einer limitierten Auflage in New York erschien.

Mit Erfindung der Eisenbahn konnten die Maler mit ihren Staffeleien einfach von Paris nach Barbizon fahren. Da auch die Tubenfarben bereits erfunden waren, konnten sie jetzt direkt in der freien Natur malen. Gepflegt wurde eine schlichte verinnerlichte Landschaftsmalerei (Paysage intime), die den Impressionismus vorbereitete. Die Barbizonniers suchten in der Natur nach neuen Ausdrucksformen und nahmen großen Einfluss auf die Entwicklung der europäischen Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts. Sie beeinflussten auch die Worpsweder und Ahrenshooper Maler, die Künstlerkolonie Dachau oder die Skagenmaler. Max Liebermann bewunderte die Barbizonniers; er hielt sich während des Sommers 1874 in Barbizon auf und besuchte den von ihm geschätzten Jean-François Millet kurz vor dessen Tod.