Veröffentlicht am 24. August 2026

Drei Auszeichnungen für herausragende künstlerische Positionen

Die KunstZeit 2026 zeigt in diesem Jahr eine außergewöhnliche künstlerische Fülle, Vielfalt und Qualität. Mehr als 80 Künstlerinnen und Künstler präsentieren ihre Arbeiten an ganz unterschiedlichen Orten in Prien – in Galerien und Ateliers, historischen Räumen, Kirchen, Geschäften und im öffentlichen Raum.

Entsprechend schwierig war die Aufgabe für die Jury. Erstaunlich viele starke Positionen, darunter auch zahlreiche neue Namen, machten die Entscheidungen alles andere als selbstverständlich. Arbeiten, vor denen man stehen bleibt, über die man diskutiert und zu denen man noch einmal zurückkehrt.

Gerade darin zeigt sich die besondere Qualität der KunstZeit: Unterschiedliche Handschriften, Generationen und künstlerische Wege treten nebeneinander und miteinander in Dialog und machen die Lebendigkeit der Künstlerlandschaft Chiemsee sichtbar.

Bei der feierlichen Preisverleihung im Foyer des Chiemsee Saals wurden drei besondere Auszeichnungen vergeben:

  • Förderpreis Junge Kunst 2026: Theresa Springl aus Inzell
  • Rotary Club Kunstpreis: Clemens Büntig aus Traunstein
  • Ehrenpreis des Kulturfördervereins Prien: Sylvia Roubaud

Ein Kunstpreis ist für den Kulturförderverein dabei mehr als eine Momentaufnahme. Er soll Künstlerinnen und Künstler wahrnehmen, würdigen und sichtbar machen – und im besten Fall ihren weiteren Weg ein Stück begleiten.

Junge Kunst 2026 – Theresa Springl

Mit dem Preis Junge Kunst 2026 des Kulturfördervereins Prien wurde die Bildhauerin Theresa Springl ausgezeichnet.

Der Preis möchte eine künstlerische Position würdigen, die bereits eine eigene Handschrift erkennen lässt und zugleich das Versprechen einer weiteren spannenden Entwicklung in sich trägt. Bei Theresa Springl trifft genau das zu.

Ihr Weg zur Kunst führt unmittelbar über das Handwerk. Nach ihrer Ausbildung zur Schreinerin absolvierte sie eine weitere Ausbildung zur Holzbildhauerin an der Berufsfachschule für Holzschnitzerei und Schreinerei in Berchtesgaden und anschließend den Meisterkurs an der Meisterschule für Holzbildhauer in München. Seit 2015 arbeitet sie als freischaffende Künstlerin.

Diese fundierte Ausbildung ist ihren Arbeiten anzusehen – doch das Handwerk steht bei ihr nie im Vordergrund. Es bildet vielmehr die sichere Grundlage für eine sehr persönliche bildhauerische Sprache. Theresa Springl kennt ihr Material, seine Möglichkeiten und seine Widerstände, und gerade daraus entwickelt sie ihre Formen.

Im Zentrum ihrer Arbeit steht immer wieder der Mensch. Dabei geht es ihr nicht um die möglichst perfekte Wiedergabe des Körpers, sondern um das, was hinter der äußeren Gestalt liegt: um Haltung und Verletzlichkeit, um Nähe und Distanz, um Annäherung und Entfernung – und immer wieder um Beziehung und Austausch.

Ihre Figuren geben keine eindeutigen Antworten vor. Sie lassen Raum für eigene Gedanken und Empfindungen. Theresa Springl arbeitet gegenständlich, aber nicht glatt und nicht idealisierend. Die Spuren ihrer Entstehung bleiben sichtbar, die Arbeit am Material und die Bewegung des Werkzeugs sind zu erkennen. Die Oberfläche bleibt lebendig.

Gerade darin liegt eine besondere Stärke ihrer Arbeiten: Sie sucht nicht nach Perfektion im Sinne einer makellosen Oberfläche. Sie sucht nach Ausdruck.

Besonders eindrucksvoll zeigt sich dies in ihrer Skulptur „Austausch“ im Garten des Heimatmuseums. Zwei stark in die Länge gezogene Figuren stehen sich gegenüber. Auf das Wesentliche reduziert, besitzen sie dennoch eine erstaunliche körperliche Präsenz. Ihre langen Linien entwickeln sich aus dem Holz heraus nach oben, nähern sich einander an und entfernen sich wieder.

Ebenso wichtig wie die beiden Figuren selbst ist dabei das, was zwischen ihnen liegt: der Zwischenraum. Die beiden Körper stehen für sich und sind doch vollkommen aufeinander bezogen. Ihre Konturen reagieren aufeinander, folgen einander, schaffen Nähe und zugleich Distanz. Erst ganz oben kommen sich die Figuren sehr nahe.

So wird der Titel „Austausch“ nicht einfach illustriert. Der Gedanke entsteht aus der Form selbst – durch Volumen und Leere, durch Linie und Zwischenraum, durch Annäherung und Distanz.

Vielleicht erzählt die Skulptur damit auch etwas sehr Einfaches über uns Menschen: Wir bleiben eigenständige Persönlichkeiten – und doch entsteht vieles von dem, was uns ausmacht, erst im Gegenüber.

Auch in der Ausstellung ZWISCHENRÄUME zeigt sich die Qualität ihrer Arbeit in einem ganz anderen Kontext. Dort entsteht eine besonders sensible Verbindung mit den Arbeiten von Stefania Peter. Unterschiedliche Materialien und künstlerische Sprachen treten miteinander in Beziehung, ohne sich gegenseitig etwas zu nehmen. Zugleich reagieren die Arbeiten auf den besonderen historischen Raum und schaffen gemeinsam eine eigene Atmosphäre.

Theresa Springl bringt damit vieles zusammen, was dem Kulturförderverein beim Preis Junge Kunst wichtig ist: eine fundierte Ausbildung, großes handwerkliches Können, bildhauerische Sicherheit, einen eigenständigen künstlerischen Ausdruck und die Ernsthaftigkeit, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzuverfolgen.

Zugleich ist sie in der Künstlerlandschaft Chiemsee und im Chiemgau verankert. Denn mit diesem Förderpreis möchten wir junge künstlerische Positionen unserer Region sichtbar machen und sie darin bestärken, ihren eigenen Weg weiterzugehen.

Ein Förderpreis würdigt das, was bereits da ist – und richtet den Blick zugleich nach vorne.

Bei Theresa Springl gibt es bereits viel zu entdecken. Und wir sind gespannt, wohin ihr künstlerischer Weg sie noch führen wird.

Der Kulturförderverein Prien gratuliert Theresa Springl sehr herzlich zum Preis Junge Kunst 2026.