Veröffentlicht am 19. Oktober 2026

Kann Natur Kunst sein? Und wer ist eigentlich der Künstler, wenn Wind, Wasser, Licht und Pflanzen an einem Kunstwerk mitarbeiten? Mit solchen Fragen machten sich 65 Kinder der Klassen 2a, 2b und 2c der Franziska-Hager-Schule Prien bei drei aufeinanderfolgenden Führungen mit Kreativworkshop auf Entdeckungsreise durch die NILS-UDO-Ausstellung in der Galerie im Alten Rathaus.

Gemeinsam mit Kuratorin Ingrid Fricke wurden die Zweitklässler zu „Naturdetektiven“. Nicht lange erklären, sondern zunächst schauen, beschreiben, rätseln und eigene Antworten finden – das funktionierte erstaunlich gut. Schon bei den „Feuerzungen“, leuchtend roten Blüten auf dunklem Lavagestein, ging es um eine Frage, die sich durch die Ausstellung zog: Was bleibt? Der Stein überdauert, die Blüte vergeht. Viele Arbeiten NILS-UDOs verändern sich oder verschwinden ganz. Die Fotografie hält den Augenblick fest und spielt deshalb in seinem Werk eine besondere Rolle.

Wie genau die Kinder hinschauten, zeigte sich besonders vor den großformatigen Waldbächen. Pink, Lila, Orange, leuchtendes Grün – die Farben waren so intensiv, dass die Frage aufkam: Hängt das Bild überhaupt richtig herum? Gemeinsam wurde überlegt: Welche Farbe hat Wasser eigentlich? Wasser ist durchsichtig und kann doch durch Licht, Umgebung und Spiegelungen die unglaublichsten Farben annehmen. Himmel, Bäume und Pflanzen spiegeln sich darin – und plötzlich lässt sich nicht mehr so leicht sagen, wo oben und unten ist.

Immer wieder führte der Rundgang zu der Frage: Was hat NILS-UDO gemacht und was die Natur? Bei „Radeau d’Automne“ beispielsweise baut der Künstler nur einen Teil der Form. Erst die Spiegelung im Wasser ergänzt sie zum Ganzen. Wind, Regen oder ein veränderter Wasserspiegel können das Bild jederzeit wieder verändern. Die Natur wird zur Partnerin des Künstlers.

Auch mit Größenverhältnissen spielte die Wahrnehmung. „Ginsterlicht“ erinnerte die Kinder an eine auf die Erde gefallene Sonne. Erst beim genaueren Betrachten wurde deutlich, welche Dimensionen die Arbeit tatsächlich hat. Und bei „La Couvée“ sind die riesigen Marmoreier rund 2,5 Meter lang und tonnenschwer. Doch zum Kunstwerk gehört weit mehr als das Ei: Der ganze Wald wird zum Nest.

Nach dem Rundgang wurden die Kinder selbst kreativ. Jedes erhielt einen massiven Naturblock aus Holz. Die Abschnitte eines neu gebauten Dachstuhls bekamen damit eine neue Verwendung – und sie hatten Gewicht, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Auf den grünen Seiten gestalteten die Kinder, was sie an der Natur lieben und was sie ihnen schenkt, auf den schwarzen, was ihr schadet, und auf den weißen ihre Ideen dazu, was jeder selbst tun kann.

Mit dicken Stiften entstanden Bilder, Wörter, Zeichen und Symbole – 65 ganz unterschiedliche kleine Kunstobjekte. Zusammengelegt bildeten die Naturblöcke schließlich gemeinsame Werke der einzelnen Klassen: viele Gedanken und Ideen, die sich zu einem Ganzen verbanden.

Und die Beschäftigung mit Art in Nature sollte an der Galerietür nicht enden. Als besondere Hausaufgabe hieß es: hinausgehen, im Garten, auf einer Wiese oder an einem anderen Ort genau hinschauen und mit dem, was die Natur dort bereithält, ein eigenes kleines Art-in-Nature-Werk gestalten.

Begleitet wurde der Workshop auch von einer Seminarklasse angehender Lehrerinnen und Lehrer, die die Führungen und die kreative Arbeit beobachtete und sich anschließend herzlich für die vielen Anregungen bedankte.

Am Ende blieb eine Frage, die eigentlich durch die ganze Ausstellung führte: Wo hört bei NILS-UDO die Kunst auf und wo beginnt die Natur?

Eine fertige Antwort darauf brauchte es gar nicht. Viel schöner war zu erleben, mit welcher Neugier die 65 Kinder schauten, entdeckten, ihre eigenen Ideen entwickelten – und wie viel Spaß es machte, Kunst und Natur mit ihren Augen zu sehen.